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30.05.2018

Adipositas: Krankheit der nächsten Jahrzehnte

Adipositas ist weltweit eine der größten Gesundheitsbedrohungen der nächsten Jahrzehnte. Einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sind derzeit etwa zwei Milliarden Menschen übergewichtig (BMI > 25) oder adipös (BMI > 30).

 

Die Lebenserwartung adipöser Menschen ist deutlich reduziert. Ursache dafür sind nahezu unausweichlich entstehende Folge- und Begleiterkrankungen:

  • Diabetes mellitus Typ 2 (Zuckerkrankheit),
  • Bluthochdruck,
  • Fettstoffwechsel-Störungen,
  • Herzinfarkt,
  • nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe Syndrom),
  • Fettleber,
  • Gallenblasensteine,
  • bösartige Tumore der Speiseröhre, Brust, Gebärmutter, des Dickdarms und Enddarms, der Niere, Bauchspeicheldrüse, Schilddrüse und Gallenblase,
  • arthrotische Veränderungen an den großen Körpergelenken und der Wirbelsäule sind die Regel und nicht die Ausnahme.

 

Vielen droht Berufsunfähigkeit bereits zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr

Neben diesen Risiken entwickeln sich bei nicht wenigen adipösen Menschen psychische und psychosoziale Beeinträchtigungen, wie zunehmendes Schamgefühl mit Minderung des Selbstwertgefühls, depressiv reaktive Gemütszustände und vermehrte Isolation im Freundeskreis. Die schwindende körperliche Belastbarkeit bei gleichzeitig immer früherer Erschöpfung schränkt viele adipöse Menschen in ihrer Berufsausübung erheblich ein, was nicht selten zu Mobbing und schließlich zur Kündigung führt. Die Berufsunfähigkeit droht vielen massiv Übergewichtigen bereits zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr.

 

„Die sind ja selber Schuld - sollen eben weniger essen“, ist eine häufig anzutreffende Reaktion von Unbeteiligten, aber auch noch von vereinzelten Ärzten. Wäre dies so einfach umzusetzen, würden viele Folgeprobleme entfallen. Leider sieht die Realität komplett anders aus. Zum einen gibt es eine hohe Rate erblich ungünstiger Voraussetzungen. Zum anderen scheitert eine Gewichtskontrolle in vielen Fällen bereits an einer in der Kindheit anerzogenen Fehlernährung. Hinzu kommt, dass die heutige Technisierung zu einer immer größeren Bewegungsarmut führt. In den meisten Berufen findet mittlerweile eine Computerunterstützung statt, die es dem Berufstätigen erlaubt, per Knopfdruck Arbeitsprozesse zu initiieren. Einkäufe werden zunehmend online getätigt, Geschäftsbesuche auf ein Minimum reduziert. In einem derartigen Umfeld ist bei entsprechender Veranlagung die Ausbildung der Adipositas programmiert.

 

Oft greifen diätetische Maßnahmen nur über einen begrenzten Zeitraum

Patienten, die unter massiver Adipositas leiden, haben in der Regel durch Begleit- und Folgeerkrankungen einen erheblichen Leidensdruck. Ihnen mangelt es nicht am Willen weniger oder kalorienärmer zu essen, sondern an der Möglichkeit, die erforderliche Verhaltensänderung kontinuierlich umzusetzen. Es besteht häufig ein unzureichendes oder komplett fehlendes Sättigungsgefühl. Daher greifen diätetische Maßnahmen in vielen Fällen nur über einen begrenzten Zeitraum und unter Anleitung.

 

Bei Patienten mit massiver Adipositas (BMI > 40) reichen konservativ-diätetische Maßnahmen und Verhaltenstherapien häufig nicht mehr aus. Hier können sogenannte bariatrische OPs (Operationen zur Gewichtsreduktion), wie eine Schlauchmagenbildung (Sleeve Resektion des Magens), ein Y-Roux Magen Bypass oder ein Omega Magenbypass zum Einsatz kommen, die über Restriktion, Hormonumstellungen im Magen-Darmtrakt und / oder eine Malabsorption eine erhebliche Gewichtsreduktion erzielen.

 

60 bis 80 Prozent Übergewichtsverlust durch bariatrische OPs nach ein bis zwei Jahren

Der durchschnittliche Übergewichtsverlust durch bariatrische Operationen beträgt nach ein bis zwei Jahren etwa 60 bis 80 Prozent. Dies wirkt sich auch auf Begleiterkrankungen günstig aus. So können in vielen Fällen komplette Remissionen eines Diabetes mellitus Typ 2 oder Bluthochdrucks erreicht werden, die eine Reduktion oder das Absetzen einer vorbestehenden Medikation ermöglichen. Die Atemfunktion, z. B. beim Schlafapnoe Syndrom, bessert sich oft rapide. Mobilität und Psyche werden günstig und nachhaltig beeinflusst. Eine soziale und berufliche Wiedereingliederung wird möglich.

 

 

Der Body-Mass-Index (BMI)

Der BMI ermittelt nach der Formel „Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch Körpergröße in Metern im Quadrat“ zeigt an, ob jemand Untergewicht (< 18), Normalgewicht (< 25), Übergewicht (< 30) oder Adipositas (> 30) hat.

 

 

 


           

Autor:
Dr. med. Harald Tigges, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und Spezielle Viszeralchirurgie; Ernährungsmedizin


 

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