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19.03.2018

Ohnmachtsanfall: Wenn plötzlich die Sinne schwinden

Patienten, die einen plötzlichen Ohnmachtsanfall (Synkope) erleiden, suchen häufig eine Notaufnahme auf, um das Krankheitsbild genauer abklären zu lassen. Gemeinsam gilt es dann, eine sinnvolle Strategie zu entwickeln, um eine gefahrvolle Situation aufzulösen, den Patienten zu beruhigen und keine überfrachtete diagnostische Kaskade in Gang zu setzen. Denn glücklicherweise sind Synkopen in der Regel harmlos. Allerdings können einige auch lebensbedrohlich sein, wenn dahinter eine ernste Grunderkrankung steckt. Zudem können sich Betroffene Verletzungen zuziehen, wenn sie plötzlich und unkontrolliert stürzen.

Vorübergehender, selbst endender Bewusstseinsverlust
Ärzte sprechen von einer Synkope, wenn Betroffene einen vorübergehenden, selbst endenden Bewusstseinsverlust erleiden, der die Folge einer Minderdurchblutung des Gehirns ist. In der Umgangssprache wird das Krankheitsbild relativ unscharf auch mit „Ohnmacht", „Kreislaufkollaps", „Kollaps" oder „plötzliche Bewusstlosigkeit" beschrieben.

Diese Ohnmachtsanfälle sind typische Krankheitsbilder, mit denen Ärzte häufig in Notaufnahmen konfrontiert werden. Etwa 40 Prozent der Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens mindestens eine Synkope. Aufgabe und Herausforderung für den behandelnden Arzt ist es, die wenigen Patienten herauszufiltern, bei denen potenziell gefährliche Erkrankungen zu dieser Synkope geführt haben, und sie anschließend einer weiteren Diagnostik und Therapie zuzuführen.

Unterschiedliche Ursachen für einen plötzlichen Ohnmachtsanfall
Oft finden Ärzte die Ursache der Synkope, indem sie zunächst die Krankengeschichte des Patienten sowie die Umstände, die zur Synkope geführt haben, gezielt erfragen (Anamneseerhebung). Lässt sich daraus ein überzeugender Zusammenhang zwischen einem Auslöser und der Synkope herstellen, kann der Arzt oft schon die Diagnose stellen und auf eine aufwändige Ausschlussdiagnostik verzichten, die über die klinische Untersuchung, ein EKG und orientierende Labordiagnostik hinausgeht. So wird der Patient nicht verunsichert und das Gesundheitswesen nicht über Gebühr strapaziert.

Grundsätzlich unterscheiden Experten drei Gruppen von Synkopen:
• Reflex-Synkopen: Sie kommen am häufigsten vor und werden durch übersteigerte Reflexe des Kreislaufsystems auf bestimmte Reize ausgelöst, zum Beispiel durch Stress, Angst oder langes Stehen in überfüllten Räumen mit stickiger Luft.
• Herz-Synkopen: Sie werden vom Herzen verursacht. Eine der häufigsten Ursachen ist eine Herzrhythmusstörung. Dabei schlägt das Herz zu langsam oder zu schnell. Zudem können auch Medikamente das Herz-Kreislauf-System beeinflussen und zu einer Synkope führen.
• Orthostase-Synkopen: Sie werden durch einen Blutdruckabfall ausgelöst, wenn Betroffene eine aufrechte Körperhaltung (Orthostase) einnehmen, beispielsweise beim Aufstehen aus dem Bett.

Die herzbedingte Synkope ist wohl die gefährlichste Variante. Denn die zugrunde liegenden Ursachen können, besonders wenn sie nicht rechtzeitig bemerkt und behandelt werden, potenziell lebensgefährlich sein. Begleitende Luftnot, Brustschmerzen oder blaue Lippen sind dann ein Fall für den Notarzt. Daran schließt sich dann eine stationäre Diagnostik und Therapie an.

Synkopen unterscheiden sich von Komazuständen und Schlaganfällen
Ältere Patienten mit Vorerkrankungen erleiden eher herzbedingte Synkopen. Jüngere Patienten ohne bekannte Erkrankungen reagieren eher mit Synkopen anderer Ursachen. Sie treten meist erstmals im Alter zwischen 10 und 30 Jahren auf. Die Bewusstlosigkeit ist von kurzer Dauer, meist weniger als 20 Sekunden, und endet von selbst, ohne dass es im Anschluss zu weiteren neurologischen Ausfällen kommt.

Im Gegensatz zu einem epileptischen Anfall sind Patienten nach einer Synkope sofort wieder voll orientiert. Klar abzugrenzen sind stoffwechselbedingte Komazustände, Schlaganfälle, epileptische Anfälle und Stolperstürze.


Autor: Stefan Kozlik, Ärztlicher Leiter Zentrale Notaufnahme, Oberarzt Innere Medizin, Facharzt für Innere Medizin


 

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