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29.06.2018

Schilddrüse: Kleines Organ mit großer Wirkung

Am Donnerstag, den 5. Juli 2018, findet um 19 Uhr im Klinikum Landsberg in unserem Vortragsraum im Untergeschoss folgender Fachvortrag statt, zu dem wir alle Interessenten herzlich einladen.

Referenten: Dr. med. Harald Tigges, Chefarzt Chirurgie, Schwerpunkt Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie und Dr. med. Hans-Joachim Baumgartl, niedergelassener Internist, Endokrinologe, Diabetologe und Nuklearmediziner

Die Schilddrüse ist eine rotbraune, hormonbildende Drüse. Sie befindet sich im vorderen Hals unterhalb des Kehlkopfs und wiegt in der Regel zwischen 15 und 20 Gramm. Das Organ hat die Form eines Schmetterlings. Seine zwei Seitenlappen schmiegen sich um die Luftröhre, die vorn durch eine schmale Gewebebrücke (Isthmus) verbunden sind. Umgeben ist die Schilddrüse von zwei Bindegewebskapseln. Dazwischen befindet sich lockeres Bindegewebe, weshalb das Organ beweglich ist und beim Schlucken leicht seine Lage ändert.

Schilddrüse: kleines Organ mit wichtigen Funktionen
Trotz ihrer nur geringen Größe hat die Schilddrüse wichtige Funktionen mit großer Wirkung. So bildet sie zwei lebenswichtige Hormone, die für den Stoffwechsel unentbehrlich sind:
• Trijodthyronin, kurz T3, mit 3 gebundenen Molekülen Jod
• Tetrajodthyronin, kurz T4, mit 4 gebundenen Molekülen Jod

Die beiden Hormone sind zuständig für den Grundumsatz des menschlichen Körpers und nehmen zudem Einfluss auf Wachstum, Reifung, Wärmeregulierung und die Kreislauffunktion. Ist der Hormonspiegel zu niedrig (Schilddrüsenunterfunktion), können Betroffene die aufgenommene Nahrung nicht mehr angemessen in Energie umwandeln. Störungen der Herz-Kreislauffunktion, des Gewichts und der Leistungsfähigkeit sind die Folgen. Ist der Hormonspiegel dagegen zu hoch (Schilddrüsenüberfunktion), leiden Betroffene unter Herzklopfen, vermehrtem Schwitzen, Unruhe und Nervosität sowie Durchfällen und Gewichtsabnahme.

Jod: unentbehrlich für die Schilddrüsenhormone
Der Körper braucht mal mehr, mal weniger Schilddrüsenhormone. Um die Produktion an den Bedarf anpassen zu können, wird die Schilddrüse von einer anderen Drüse unterstützt: der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Sie reguliert, wie viel Hormon aus der Schilddrüse ins Blut abgegeben wird. Ein Regelkreis zwischen den beiden Drüsen sorgt bei gesunden Menschen für einen ausgeglichenen Hormonspiegel. Dazu unentbehrlich ist das Spurenelement Jod. Jod ist Baustein und Bestandteil der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Da der Körper Jod nicht selbst bilden kann, muss er es regelmäßig mit der Nahrung aufnehmen. Jod gelangt über den Darm ins Blut bis in die Schilddrüse, wo es in die Schilddrüsenhormone eingebaut wird.

Viele Menschen in Deutschland nehmen zu wenig Jod auf und entwickeln insbesondere in Jodmangelgebieten kompensatorisch einen Kropf oder eine Struma. Die Schilddrüse vergrößert sich dabei nicht nur, sondern verändert auch ihren inneren Aufbau. Sie bildet Knoten und Zysten (flüssigkeitsgefüllte Hohlräume). Gerade diese Knoten können sich jedoch dem normalen Regelkreis der Schilddrüse entziehen. Einige Knoten produzieren ungebremst Schilddrüsenhormone (Heißer Knoten, Autonome Adenome). Andere Knoten wiederum verlieren ihre Fähigkeit, Hormone zu produzieren, völlig (Kalte Knoten). Durch diese Fehlfunktionen können sich diverse Schilddrüsenerkrankungen ausbilden.

Erkrankungen: viele sind leicht erkennbar oder machen sich rasch bemerkbar
Formveränderungen der Halskontur (Halsumfang) lassen sich leicht erkennen. Auch machen sich Verdrängungserscheinungen rasch bemerkbar, beispielsweise durch:
• Schluckstörungen
• Fremdkörpergefühl
• Luftnot

Per Ultraschall können Ärzte lokalisierte Gewebsveränderungen und Knotenbildungen rasch beschreiben und aufdecken. Funktionsstörungen hingegen erkennen sie häufig erst nach laborchemischen Analysen oder einer szintigraphischen Untersuchung. In frühen Phasen einer Schilddrüsenerkrankung reicht häufig eine medikamentöse Therapie. Sind Erkrankungen dagegen schon fortgeschritten und haben sich schon ausgedehnte Knoten gebildet oder Funktionsstörungen eingestellt, ist oft eine operative Therapie notwendig.

Bei einer funktionellen Schilddrüsenerkrankung kommt alternativ zur Operation auch eine Radiojodtherapie in Betracht. Jedoch gibt es dabei nicht die Möglichkeit einer genauen feingeweblichen Untersuchung, was gerade bei knotigen Schilddrüsenarealen, wie Kalten Knoten, oft gefordert ist, um bösartige Veränderungen auszuschließen. Diese Möglichkeit bietet nur eine Operation.

Operation: hohes Maß an Sicherheit durch innovatives Ultraschallskalpell
Liegt der seltene Fall einer bösartigen Schilddrüsenerkrankung vor, müssen Ärzte die Schilddrüse mit den zugehörigen Lymphknoten operativ komplett entfernen. Dazu nehmen sie einen kosmetisch angepassten Hautschnitt vor, etwa zwei Querfinger oberhalb des Brustbeins in einer Hautfalte des Halses. Sie legen die Schilddrüse frei und entfernen die knotigen oder veränderten Anteile.

Abhängig vom Ausmaß der krankhaften Veränderungen der Schilddrüse kann es erforderlich sein, diese teils oder komplett zu entfernen. Mit dem innovativen Ultraschallskalpell (Ultracision) können die Operateure sowohl funktionserhaltende Präparationsschritte vornehmen als auch die Schilddrüse mit einem hohen Maß an Sicherheit komplett entfernen. Diesem Sicherheitsbedürfnis tragen sie auch dadurch Rechnung, dass sie intraoperativ einen Nervenstimulator (Neuromonitoring) anwenden, mit dem sich die Stimmbandnerven auffinden und auf ihre Funktion hin prüfen lassen. Durch die zusätzliche Verwendung von Lupenbrillen werden das Operationsfeld und die Gewebestrukturen vergrößert dargestellt, was ein gewebeschonenderes Operieren ermöglicht.

 


           

Autor:
Dr. med. Harald Tigges, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie und Spezielle Viszeralchirurgie; Ernährungsmedizin

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