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10.07.2018

Vorhofflimmern: Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Am Donnerstag, den 9. August 2018, findet um 19:00 Uhr im Klinikum Landsberg in unserem Vortragsraum im Untergeschoss folgender Fachvortrag statt, zu dem wir alle Interessenten herzlich einladen.

Referent: Dr. med. Peter Landwehr, Leitender Oberarzt Innere Medizin Klinikum Landsberg, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Kardiologie

Schlägt das Herz normal, nimmt man es meist gar nicht wahr. Neben einem gesunden Herzmuskel und intakten Herzklappen ist ein funktionierendes Reizleitungssystem entscheidend dafür, dass das Herz koordiniert arbeitet.

 

Elektrisches Leitungssystem: der Sinusknoten ist der Taktgeber der Herzaktion

Der Sinusknoten ist der primäre elektrische Taktgeber der Herzaktion. Er befindet sich im rechten Vorhof des Herzens und sendet elektrische Signale aus, die über die Vorhöfe zum sogenannten Atrioventrikularknoten (AV-Knoten) geleitet werden. Über diesen AV-Knoten werden die Signale schließlich an die Herzkammern weitergeleitet. Durch den Sinusknoten entsteht der sogenannte Sinusrhythmus.

Gerät das Herz aus dem Takt, kann es sich dabei um Vorhofflimmern handeln. Während des Vorhofflimmerns ist der Sinusknoten inaktiv. Es kommt zu einer chaotischen Vorhoferregung, bei der sich unregelmäßige elektrische Impulse sehr schnell in den Vorhöfen des Herzens ausbreiten. Die Vorhöfe können der hohen Frequenz mechanisch nicht mehr folgen und stehen trotz ihrer hohen elektrischen Aktivität quasi still, statt sich in regelmäßigem Rhythmus zusammenzuziehen und wieder zu entspannen. Letztlich nimmt dadurch die Leistung des Herzens ab. Zwar pumpen die Herzkammern auch weiterhin Blut durch den Körper, jedoch unregelmäßig und weniger effektiv.

 

Vorhofflimmern: die mit Abstand häufigste Herzrhythmusstörung

Vorhofflimmern ist die mit Abstand häufigste Herzrhythmusstörung. Die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, steigt mit dem Alter. Schätzungen zufolge entwickeln etwa 25 Prozent der aktuell 40-Jährigen im Laufe ihres Lebens Vorhofflimmern. Man geht davon aus, dass etwa 2 Prozent aller Menschen und etwa 7 Prozent der über 65-Jährigen betroffen sind. Typisches Anzeichen ist ein schneller und unregelmäßiger Puls. Viele Betroffene klagen außerdem über Herzstolpern, Leistungsverlust, Atemnot, Engegefühl in der Brust oder Angstgefühl. Doch 30 von 100 Betroffenen spüren keine oder nur unspezifische Beschwerden, die nicht sofort auf Vorhofflimmern hinweisen.

Da einige Patienten keine oder keine eindeutigen Beschwerden haben, diagnostizieren Ärzte das Vorhofflimmern manchmal eher zufällig, zum Beispiel wenn sie den Betroffenen wegen einer anderen Erkrankung untersuchen. Für eine exakte Diagnose kommen mehrere Untersuchungen zum Einsatz:

  • Ruhe-Elektrokardiogramm (EKG): Es stellt die elektrischen Herzströme grafisch dar, die den Herzschlag regeln. Damit können Ärzte das Vorhofflimmern mit hoher Sicherheit diagnostizieren.

  • Langzeit-EKG: Ist das Ruhe-EKG unauffällig, erhält der Patient ein kleines EKG-Gerät, das die Herzströme über 1 bis 4 Tage, in Einzelfällen auch länger, aufzeichnet.

  • Tragbare oder implantierbare Herzmonitore: Sie kommen bei sehr selten auftretenden Herzrhythmusstörungen zum Einsatz.

 

Ärzte teilen Vorhofflimmern in verschiedene Kategorien ein:

  • Vorhofflimmern, das innerhalb von 7 Tagen spontan endet (Paroxysmales Vorhofflimmern)

  • Vorhofflimmern, das mehr als 7 Tage besteht (Persistierendes Vorhofflimmern)

  • Dauerhaftes Vorhofflimmern (Permanentes Vorhofflimmern)

 

Vorhofflimmern: erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche

Vorhofflimmern ist zwar meist nicht unmittelbar lebensbedrohlich, doch erhöht es beispielsweise das Risiko für einen Schlaganfall. Denn insbesondere im linken Vorhof können sich Blutgerinnsel bilden, während die Vorhöfe inaktiv sind. Wenn sich Blutgerinnsel lösen und in den Blutstrom gelangen, besteht die Gefahr, dass sie im Gehirn ein Blutgefäß verschließen. Darüber hinaus kann Vorhofflimmern das Herz schwächen und die Leistungsfähigkeit vermindern.

Häufige Auslöser von Vorhofflimmern sind:

  • Störungen des Mineralhaushaltes, vor allem Kaliummangel

  • Flüssigkeitsmangel

  • Infekte

  • Alkoholkonsum

  • Akuter Sauerstoffmangel

 

Zu den Risikofaktoren zählen:

  • Bluthochdruck

  • Herzkranzgefäßkrankheit

  • Herzschwäche

  • Herzklappen- und Herzmuskelerkrankungen

  • Hormonstörungen, wie Schilddrüsenfunktionsstörungen

  • Alter und Körpergröße

  • Rauchen

  • Übergewicht

  • Diabetes mellitus

  • Ehemaliger Leistungssport

  • Herzoperationen und angeborene Herzfehler

  • Nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe)

 

Individuelle Therapie-Ansätze: Rhythmuskontrolle oder Frequenzkontrolle

Ärzte behandeln Patienten mit Vorhofflimmern mit verschiedenen Therapie-Ansätzen, wobei sie den Patienten in seiner Gesamtheit betrachten. Grundsätzlich unterscheiden sie zwischen dem Versuch den Sinusrhythmus wiederherzustellen und der dauerhaften Kontrolle der Herzfrequenz.

Neben der Beseitigung auslösender Ursachen gibt es die Möglichkeit, Vorhofflimmern mit Medikamenten (Antiarrhythmika) zu therapieren, der Rhythmisierung mittels dosierter Stromstöße (Elektrokardioversion) oder einer kathetergeführten Verödungsbehandlung (Ablation). Meist kombinieren Ärzte einzelne Maßnahmen. Um Rückfällen vorzubeugen, müssen Betroffene oft dauerhaft Medikamente einnehmen. Ziel aller Therapie-Ansätze ist es, die Symptome des Patienten bestmöglich zu kontrollieren und dessen Leistungsfähigkeit zu erhalten. Schutz vor einem Schlaganfall können gerinnungshemmende Medikamente bieten.

 

 


Dr. med. Peter Landwehr           

Autor:
Dr. med. Peter Landwehr, Leitender Oberarzt Innere Medizin Klinikum Landsberg, Facharzt für Innere Medizin, Facharzt für Kardiologie


 

 

 

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