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23.08.2018

Starke Bauchschmerzen: Was steckt dahinter?

Jährlich suchen Tausende Patienten wegen starker Bauchschmerzen (akutes Abdomen) deutsche Arztpraxen und Notaufnahmen auf. Die Ursachen dieser Schmerzen sind mannigfaltig und komplex. Ärzte erkennen sie erst, wenn sie die Patienten genau untersucht haben. In extremen Fällen ist es mitunter auch nötig, Patienten sofort zu operieren – ohne eine vorhergehende ausgiebige Diagnostik.

Blinddarmentzündung: Häufigste Ursache starker Bauchschmerzen
Die häufigste Ursache für starke Bauchschmerzen ist die Blinddarmentzündung (akute Appendizitis). Das ist eine Entzündung des Wurmfortsatzes am Ende des Blinddarms. Dabei kann es um eine leichte Reizung gehen, aber auch um eine schwere Entzündung, die sogar zum Wanddurchbruch führen kann.

Häufig gelangen Ärzte schon anhand der klinischen Untersuchung des Patienten zur richtigen Diagnose. Doch bestimmen sie zusätzlich immer auch Blutwerte und setzen eine Ultraschalluntersuchung ein, um die exakte Diagnose zu stellen. In unklaren Fällen kann es auch nötig sein, eine CT- oder MRT-Untersuchung des Bauchs vorzunehmen. Eine akute Blinddarmentzündung behandeln Ärzte, indem sie den Wurmfortsatz operativ entfernen. Bei dieser minimalinvasiven OP (Bauchspiegelung) benötigen die Chirurgen nur einige kleine Schnitte, um ein Endoskop und die Operationsgeräte in den Bauch einzuführen. Oft können Patienten schon am zweiten Tag nach der Operation wieder entlassen werden.

Gallenblasenentzündung: Meistens ist ein Gallensteinleiden schuld
Eine Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) wird in den meisten Fällen durch Gallensteine verursacht, die in die Gallengänge wandern, dort steckenbleiben und so den Galleabfluss stören. Dann staut sich die Gallenflüssigkeit in die Gallenblase zurück und verursacht dort eine Entzündungsreaktion. Oft löst das heftige Schmerzen im rechten Oberbauch aus, die in Wellen über Stunden zu- und wieder abnehmen (Kolik). Betroffene haben häufig auch Fieber.

Neben der klinischen Untersuchung setzen Ärzte zur Diagnosestellung die Ultraschalluntersuchung des Bauchraums ein. Per Ultraschall erkennen sie die typische „Dreischichtung" der Gallenblase. Langfristig ist es nicht sinnvoll, eine Gallenblasenentzündung konservativ zu behandeln. Deswegen ist die das operative Entfernen der Gallenblase (Cholezystektomie) der Goldstandard der Therapie. Auch bei diesem minimalinvasiven Eingriff benötigen die Chirurgen lediglich vier kleine, etwa ein bis zwei Zentimeter große Schnitte. Nach der Operation haben die Patienten keine Einschränkungen, ihre Verdauung ist in der Regel nicht gestört.

Divertikel: Kleine ballonförmige Ausstülpungen im Darm
Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut. Sie entstehen an Stellen, wo die Darmmuskulatur schwächer ist. Meist bilden sie sich in einem bestimmten Abschnitt des Dickdarms. An diesen Stellen wölbt sich die Darminnenwand nach außen. Dadurch entstehen meist kleine ballonförmige Ausstülpungen, in denen sich Stuhl ablagern kann. Oft sind diese Ausstülpungen harmlos, manchmal führen sie aber zu Schmerzen und Beschwerden. Entzünden sich diese Ausstülpungen (Divertikulitis), berichten Betroffene über plötzliche dumpfe Schmerzen im Unterbauch, die auch von leichtem Fieber begleitet werden. Weitere Anzeichen sind Verstopfung, Durchfall, Blähungen und Übelkeit, manchmal auch Krämpfe. Drückt der Arzt auf den Bauch, spannt sich die Bauchmuskulatur reflexartig an (Abwehrspannung). Beim plötzlichen Loslassen verstärkt sich der Schmerz.

Die Therapie der Wahl ist abhängig vom Stadium der Erkrankung. Ärzte können eine Divertikulitis meist gut behandeln, sie kann aber ernste Folgen haben, wenn sich die Entzündung ausbreitet. Die Behandlung reicht von der konservativen Therapie mit Schmerzmitteln bis hin zur Notoperation und Anlage eines künstlichen Darmausgangs. Ziel der Operation ist es, den betroffenen Darmabschnitt zu entfernen. Ist die Entzündung nicht hochakut und bedarf keiner Notfalloperation, können Ärzte den betroffenen Darmabschnitt häufig minimalinvasiv (laparoskopisch) entfernen.

Darmverschluss: Lebensbedrohliche Krankheit und akuter Notfall
Als akuter Notfall ist ein Darmverschluss (Ileus) eine der bedrohlichsten Krankheiten des Magen-Darm-Trakts. Er erfordert eine schnelle Behandlung. Oft ist es erforderlich, Betroffene sofort zu operieren. Anfangs macht sich ein Darmverschluss mit unspezifischen Beschwerden bemerkbar, wie Übelkeit, Aufstoßen, Blähungen, Erbrechen und Bauchschmerzen. Auch Fieber und ein schneller Puls gehören dazu. Danach leiden Betroffene meist unter heftigen kolikartigen Bauchschmerzen.

Für einen Darmverschluss kommen unterschiedlichste Ursachen in Frage. Ärzte unterscheiden dabei grundsätzlich zwischen einem „mechanischen" und einem „paralytischen" Darmverschluss. Ein mechanischer Verschluss kann zum Beispiel durch Verwachsungen oder Tumoren entstehen, ein paralytischer hingegen durch einen Funktionsverlust des Darms. Während Ärzte einen paralytischen Darmverschluss überwiegend medikamentös therapieren, beseitigen sie bei einem mechanischen die Engstelle möglichst schnell operativ.


 

 

 

Autor: Dr. med. Hans Kern, Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am Klinikum Landsberg, Facharzt für Allgemeine Chirurgie und Facharzt für Viszeralchirurgie


 

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