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04.12.2015

Vom Äther zur modernen Narkose

Spätestens wenn eine Operation notwendig wird, stellen sich Patienten Fragen zu dem wichtigen Thema Anästhesie. Das Wort Anästhesie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „ohne Wahrnehmung“. Es bezeichnet den zum Zweck einer operativen oder diagnostischen Maßnahme herbeigeführten Zustand der Empfindungslosigkeit.
 
Heute ist die Durchführung einer Anästhesie den Experten vorbehalten – also Ärzten dieser Fachdisziplin, denen zusätzlich Fachpflegekräfte zur Seite stehen. So können selbst komplexe operative Eingriffe auch bei mehrfach vorerkrankten Patienten sicher und ohne Schmerzen vorgenommen werden.
 
Dies war aber nicht immer so. Bis in die Neuzeit musste man sich mit Pflanzenextrakten und Alkohol behelfen und dazu den Eingriff im Eiltempo durchführen. Die Risiken für die Patienten waren enorm  – und die Ergebnisse der Behandlung meist fragwürdig. Mit der ersten Ätheranästhesie im Jahr 1846 schlug dann die Geburtsstunde der modernen Anästhesie. Über 100 Jahre später war, mit der Einrichtung erster Lehrstühle in den 1960er Jahren, auch in Deutschland die Anästhesiologie als eine eigenständige ärztliche Fachdisziplin entstanden. Zu dieser gehören heute außerdem:
• die operative Intensivmedizin,
• die Notfallmedizin und
• die individualisierte Schmerztherapie.
 
Die Methoden haben sich seit den Anfängen erheblich weiterentwickelt. Heute kommen zwei grundsätzlich unterschiedliche Verfahren zum Einsatz: die Allgemeinanästhesie und die Regionalanästhesie. Beide sorgen dafür, dass operative und diagnostische Eingriffe schmerzlos und sicher vorgenommen werden können.
 
Bei der Allgemeinanästhesie oder Narkose (umgangssprachlich: „Vollnarkose“) werden Medikamente angewandt, die im zentralen Nervensystem, also dem Gehirn, wirken. Dabei werden Substanzen zur Schmerzausschaltung (Analgetika) mit solchen zur Aufhebung des Bewusstseins (Hypnotika) kombiniert, bei Bedarf ergänzt durch muskelentspannende Wirkstoffe (Muskelrelaxantien). Dem Patienten werden diese Medikamente intravenös oder inhalativ (Zumischung zur Atemluft) zugeführt. Dabei müssen einzelne Organfunktionen (z. B. die Atmung) in unterschiedlichem Ausmaß durch ärztlich geleitete Maßnahmen ersetzt werden (z. B. durch eine künstliche Beatmung). Dies erfordert nicht nur ärztliche Kompetenz, sondern auch eine entsprechende technische Ausrüstung – etwa: Beatmungsgeräte, eine Larynxmaske (Kehlkopfmaske) oder einen endotrachealen Tubus (in der Luftröhre) zur Atemwegssicherung.
Der Hauptanwendungsbereich der Allgemeinanästhesie sind Operationen im Bauchraum, z. B. am Magen, dem Darm oder der Gebärmutter.
 
Unter Regional- oder Lokalanästhesie (umgangssprachlich: „Teilnarkose“) wird die Schmerzausschaltung im Bereich der Nervenbahnen oder -endigungen ohne Ausschaltung des Bewusstseins verstanden. Dies geschieht durch Einbringung von Medikamenten (Lokalanästhetika) in die Nähe der Nerven. Deren elektrische Leitfähigkeit und damit die Weiterleitung von Schmerzsignalen wird dadurch vorübergehend unterbrochen – in der Regel über einige Stunden. Für größtmögliche Sicherheit und Wirksamkeit wird dabei durch Ultraschall und/oder elektrische Stimulation das Auffinden der relevanten Nervenstrukturen erleichtert.
Innerhalb der Regionalanästhesie unterscheidet man zum einen die peripheren Verfahren: Hier wird durch Blockade der Nervenbahnen im Bereich des Halses, der Achsel oder der Leiste eine Schmerzausschaltung an Armen oder Beinen erreicht. Zum anderen führen die neuroaxialen Verfahren, angewendet im Bereich der Brust- oder der Lendenwirbelsäule, zu einer segmentalen (= auf ein Rückenmarkssegment bezogenen) Unterbrechung der Schmerzleitung. Ein Beispiel dafür ist die Periduralanästhesie in der Geburtshilfe.
Zur Schmerzfreiheit auch über die eigentliche Operation hinaus kann ein Katheter gelegt werden, der eine kontinuierliche Gabe von Lokalanästhetika erlaubt –  bei Bedarf auch über mehrere Tage. Aus diesem Grund werden bei größeren Eingriffen oftmals Allgemeinanästhesieverfahren für die eigentliche Operation mit kontinuierlichen Regionalanästhesieverfahren zur Schmerztherapie nach der Operation kombiniert. Bei größeren Eingriffen im Bauchraum und bei Operationen der Schulter oder des Kniegelenks werden diese Kombinationsverfahren regelmäßig angewandt.
 
Mit jährlich 5 000 Anästhesieverfahren, davon 1000 Regionalanästhesien, verfügen die Anästhesisten des Klinikum Landsberg über sehr große Erfahrungen in diesem Bereich.
 


 

Autor: Chefarzt Dr. med. Hubert Meyrl, Facharzt für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Notfallmedizin

Herr Dr. Hubert Meyrl leitet seit 10 Jahren die Abteilung für Anaesthesiologie in unserem Klinikum und leistete in dieser Zeit seinen Beitrag in der Ausweitung der Leistungszahlen von über 50%. Als dienstältester Chefarzt bekleidet er auch das Amt des Ärztlichen Direktors.


 

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